Felden. Ein Roman

Der Kleinstadtroman „Felden. Ein Roman oder Keiner weiß, was wirklich los ist“ von Wolfgang Pollanz ist geprägt von skurrilen Typen wie dem Kaffeehausphilosophen und Hypochonder Niewein, dem Chirurgen Mally, dem kauzigen Wissenschaftler Treibholtz oder dem extrovertierten Sänger E. der lokalen Rockhelden „Die Riesen“, sowie der entsprechenden weiblichen Entourage. Nicht erst als dann auch noch ein mysteriöser nackter Mann im Ort auftaucht, stellt sich die Frage, ob es Pollanz weniger um die realitätsnahe Beschreibung eines Kleinstadt(kultur)-Kosmos geht, als um ein ambitioniertes literarisches Vexierspiel, das mit unterschiedlichsten Kunst- und Realitätsbegriffen arbeitet. Wobei sich Wolfgang Pollanz einmal mehr als populärkultur-affiner Geschichtenerzähler mit Verve und Esprit erweist und seine reale Heimat Wies weit hinter sich lässt.
Heimo Mürzl (Kleine Zeitung, Graz; Wiener Zeitung)

Von einer skurrilen Beschaulichkeit ist das Leben in Felden geprägt. Rocksänger, Hypochonder, Weltenbummler, Chirurgen, Friseurgattinnen und Naturschönheiten sind das Personal, das die fiktive Stadt im Süden Österreichs bewohnt. Doch wie “echt” ist dieses Leben? Die Figuren beginnen zu zweifeln, ob sie nicht nur die Erfindung eines Autors sein könnten… Mit schwarzem Humor zerlegt Pollanz die Erwartungen der Leser. Ergänzt wird das Buch mit einem musikalischen Sampler mit Songs von (fiktiven) Bands aus Felden.
Christoph Hartner (Steirer Krone, Graz)

Man darf sich unter dem fiktiven Örtchen Felden ein Nest im Süden Österreichs vorstellen, wenn auch nicht gerade das kärntnerische Velden. „Zeichnet man eine topografische Skizze der Stadt“, heißt es, „wird man mit ein wenig Fantasie das Abbild eines riesigen Hinterns erkennen können.“ In Felden herrscht der alltägliche Kleinstadtwahnsinn, die Figuren sind akkurat verhaltensoriginell; etwa der ortsbekannte Hypochonder Niewein oder der Lebenskünstler Andorra, dessen zwanghaftes Hobby darin besteht, von den Beinen einer Dame auf deren Gesamterscheinung zu schließen. Schließlich bringt dann auch noch ein Flitzer Unruhe in das Gemeinschafts- und Romangefüge.
Dass Teile des Personals bald vermuten, dass sie Romanfiguren sind, passt gut zu dem Umstand, dass eine CD mit Songs von Feldener Bands dem Buch beigelegt ist. Darüber hinaus hat der (südsteirische) Autor auch noch sichtlich Freude an Palindromen oder (pop-)kulturellen Verweisen, mit denen er sein amüsantes, anspielungsreiches Spiel treibt.

Tiz Schaffer (Falter Wien)

Nichts ist wahrscheinlich so schwer zu erzählen wie eine Geschichte ohne Handlung eingebettet in einer Gegend ohne Schwerpunkt mit Helden ohne Sinn.
Wolfgang Pollanz macht sich mit Hingabe an die Aufgabe, aus der fiktiven Stadt „Felden“ den ultimativen Charme herauszupressen. Das Leitmotiv, das dabei alle Figuren zumindest einmal aussprechen müssen, lautet ganz lethargisch: „Keiner weiß, was wirklich los ist!“
Doch es sind die Unauffälligkeiten, die Alltäglichkeiten und Provinz-Possen, die im Kessel von Felden los sind. Die erste Adresse für Begegnungen ist dabei die Lokalität Stern des Südens.
Ein Schriftsteller schreibt einen Roman, und wenn sich eine Figur nicht richtig benimmt, wird sie aus dem Text geschmissen. „Auch Romanfiguren haben Angst, eliminiert zu werden.“ (31) Sein Freund Andorra hat eine Karriere als Barkeeper in Spanien hinter sich und betreibt ein Leben lang Frauenforschung. Er sitzt in der Souterrain-Wohnung und beobachtet alle Frauen von unten her, was den Nachteil hat, dass er nie das Oberteil einer Frau zu Gesicht bekommt. Der Arzt Dr. Mally ist berühmt für seine exklusiven Operationen, die er in einer Liste zusammengefasst hat.
Ein Kennzeichen der Entlegenheit ist die Lust, das Vorhandene in Listen weltmännisch zusammenzufassen. So gibt es beispielsweise eine Aufzählung von interessanten Namen für Friseur-Läden, „Kaiserschnitt, Kamm in, Haare Krishna, Hair-Bert, Hairforce One, GmbHaar, Schnittstelle, Hairgott, Hairicane, Haarlekin.“ (152)
Die geheimnisvolle Malvine schwebt durch die Stadt und macht alle verrückt, ihre Exklusivität wird nur von einem nackten Mann übertroffen, den niemand in Realität gesehen hat.
Das Besondere an Felden ist freilich die Band-Dichte, mindestens zehn Bands spielen Tag für Tag um ihr Überleben und erfüllen den Talkessel mit einem Sound, der es in sich hat. Fünf Bonusstücke davon sind auch tatsächlich auf CD gepresst und dem Roman beigelegt.
Erzählerisch spielt Wolfgang Pollanz alles aus, was es für einen witzigen, verschmitzten Roman an der Peripherie des Literaturgeschehens braucht. Alte Menschen erzählen sinnlose Sagen über die Gegend, der Schriftsteller greift ständig in die Realität ein, statt beim Text zu bleiben, die einzelnen Kapitel sind ineinander wie eine russische Puppe verschachtelt und daher subtil miteinander verschweißt. Die Anfangsbuchstaben der acht Kapitel, die so heftige Mottos tragen wie „Ephemere Erscheinungen, Obskure Obsessionen, Intime Interferenzen“, ergeben den Über-Sinn des Romans: Entropie. Spätestens seit Thomas Pynchon gilt die Entropie als der Sinn jeglichen Erzählens, man muss so lange am Text dran bleiben als Autor oder als Leser, bis dieser sich aufgelöst hat. – Wunderbar entlegen, musikalisch witzig, professionell in die Provinz verliebt!

Helmuth Schönauer
Öffentliches Bibliotheks- und Büchereiwesen
Universitäts- und Landesbibliothek Innsbruck

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